Das Thema Übergewicht ist tatsächlich vielfältig. Meist ist es mit Scham besetzt. So empfinden es viele, die bei mir in der Praxis sitzen als „Versagen“ oder auch als „Inkonsequenz“. Was natürlich zu viel Ärger über einen selbst führt, was übrigens wiederrum die Energie für eine Veränderung raubt!. Eigenschaften, die auch keiner gerne nach außen trägt und die oft gerade im alltäglichen Leben so gar nicht auftauchen. Dieses ist meist nämlich genau das Gegenteil. Hier herrscht oft extreme Konsequenz im Job oder auch z.B. als Mutter in der Familie. Auch totaler Perfektionismus, gerade im Beruf ist nicht selten. Warum also dieses komplette Gegenteil beim Thema Gewicht und Essverhalten?
Hier muss man etwas ausholen. Und es sei vorweg genommen: NIEMAND hat sich dafür zu schämen übergewichtig oder adipös zu sein. Und nur so am Rande: Tatsächlich sind über 1/3 der Bevölkerung (34,5%) übergewichtig (BMI >25 kg/m²) und davon 16,6% adipös (BMI >30 kg/m²). Man steht also mit diesem Problem definitiv nicht allein da. Wir alle haben aber unsere Stärken und unsere Schwächen und jeder ist individuell. Manches Verhalten wird uns in die Wiege gelegt, manches erlernt. Von uns selbst oder auch von den Eltern vorgelebt. Wer einmal festgestellt hat, wie einfach es ist Druck auf der Brust durch Schokolade (wenn auch nur vorübergehend) zu „heilen“, die Langeweile vor dem Fernseher mit Chips zu durchbrechen oder den lauten Schrei, den man aus Ärger am liebsten loswerden würde durch eine Leberkäsesemmel zu ersetzen, der hat damit einen offenen Nerv getroffen. Denn leider muss man sagen – essen funktioniert immer! In allen Lebenslagen und Gefühlslagen. Nichts ist einfacher. Es ist immer da, es geht schnell und wir müssen NICHTS! dafür aufwenden. Außer möglicherweise das Aufstehen von der Couch. Das heißt wir brauchen keine zusätzlichen Ressourcen.
Und hier kommen wir zum Punkt. JEDER! Mensch hat nur begrenzte Ressourcen. Sei es jetzt zeitlich oder auch emotional. Wir können nicht über Grenzen hinaus gehen. Wir müssen also um etwas zu verändern Ressourcen umverteilen. Den Blickwinkel auf das legen, was uns wichtig ist. Und auch wenn das Thema Gewicht angebracht wäre, heißt es nicht, dass es uns zu jedem Zeitpunkt möglich sein muss, dort volle Energie hineinzustecken! Manchmal ist auch einfach keine Kraft mehr übrig und ohne jegliche Kraft etwas Neues anzugehen, ist bekanntlich sehr schwierig. Das ist auch ok so! Und hier braucht keiner einen ständigen Kampf mit sich selbst ausüben. Denn dies schafft negative Energie und führt noch mehr zu dem Gefühl zu versagen. Lieber das Augenmerk auf kleine Schritte legen, die umgesetzt werden können. (z.B. immer Salat zum Essen dazu, achtsames und langsames Essen trainieren…). Und jede positive Veränderung wird nun gelobt!
Das heißt aber nun für den Beginn einer intensiveren Ernährungsumstellung benötigt es etwas Motivation und die Ressource, die aber auch durch Ressourcenumverteilung fast IMMER gefunden werden kann. Wenn man die Möglichkeit sieht, dann sollte man die Gelegenheit sofort beim Schopf packen.
Man kann sich dann Schritt für Schritt voran tasten. Gewohnheiten können verändert werden, so weit, dass auch keine Kraft zur Umsetzung mehr aufgewendet werden muss. Und hier ist es oft notwendig sich Hilfe zu suchen. Sei es jetzt ein(e) PsychologIN, ein(e) DiätologIN oder ErnährungswissenschaftlerIN oder auch ein FitnesstrainerIN. Im Idealfall vielleicht von überall ein bisschen. Alles, was erlernt wird prägt und kann jederzeit wieder hervorgeholt werden, auch wenn es einmal einen Rückschlag gegeben hat.
Es ist also IMMER möglich etwas zu verändern, mal mehr, mal weniger. Und es gilt hier mitzunehmen: An oberster Stelle steht: Lerne dich kennen, beobachte dich, sei nett zu dir und schaffe postive Gedanken. Das ist der erste Schritt in ein gesünderes und zufriedeneres Leben.
